Während viele Verbraucher auf Zuckerersatzstoffe zurückgreifen, um ihr Gewicht zu kontrollieren oder den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren, deuten neue wissenschaftliche Erkenntnisse darauf hin, dass ein beliebter Süßstoff – Erythrit – unerwartete kardiovaskuläre Risiken bergen kann.
Eine kürzlich im Journal of Applied Physiology veröffentlichte Studie hat spezifische zelluläre Verhaltensweisen im Zusammenhang mit Erythritol identifiziert, die möglicherweise die Wahrscheinlichkeit von Schlaganfällen und Herzinfarkten erhöhen könnten.
Erythrit verstehen
Erythritol ist ein Zuckeralkohol, der häufig in „zuckerfreien“ Produkten verwendet wird, darunter Proteinriegel, Sportgetränke und verschiedene kohlenhydratarme Snacks. Als kalorienfreie Alternative zu herkömmlichem Zucker und anderen Süßungsmitteln wie Aspartam oder Sucralose erfreut es sich großer Beliebtheit.
Es ist wichtig, zwischen natürlichem und ergänzendem Erythrit zu unterscheiden:
– Natürliche Werte: Der menschliche Körper produziert im Rahmen des normalen Stoffwechsels winzige Mengen Erythrit.
– Ergänzende Werte: Der Verzehr von Erythrit über verarbeitete Lebensmittel kann zu ungefähr 1.000-mal höheren Werten führen, als sie natürlicherweise im Körper vorkommen.
Die Laborergebnisse: Wie Zellen reagieren
In dieser Studie setzten Forscher menschliche Zellen – insbesondere solche, die die Blutgefäße im Gehirn auskleiden – 30 Gramm Erythrit aus. Diese Dosis soll die Menge nachahmen, die in einem typischen künstlich gesüßten Getränk enthalten ist.
Die Forscher beobachteten mehrere besorgniserregende Veränderungen im Verhalten dieser Zellen:
* Reduzierter Stickoxidgehalt: Die Zellen produzierten weniger Stickoxid, ein lebenswichtiges Molekül, das dazu beiträgt, dass sich die Blutgefäße entspannen und erweitern, um einen gesunden Blutfluss aufrechtzuerhalten.
* Erhöhtes Endothelin-1: Die Zellen wiesen höhere Konzentrationen dieses Proteins auf, was zu einer Verengung der Blutgefäße führt.
* Beeinträchtigte Gerinnselreaktion: Die Zellen reagierten nicht effektiv auf Thrombin, eine Verbindung, die an der Blutgerinnung beteiligt ist.
* Oxidativer Stress: Die Zellen produzierten mehr freie Radikale, die mit körperlichen Entzündungen in Verbindung gebracht werden.
„Während Erythrit allgemein als sicher gilt und den Blutzuckerspiegel nicht erhöht, geben unsere Ergebnisse Anlass zu Bedenken hinsichtlich seiner möglichen zerebrovaskulären Auswirkungen“, bemerkte der Hauptautor der Studie von der University of Colorado, Boulder.
Wichtiger Kontext und Vorbehalte
Obwohl diese Ergebnisse bedeutsam sind, raten medizinische Experten zur Vorsicht bei ihrer Interpretation. Es ist wichtig, den Unterschied zwischen In-vitro -Forschung und der realen menschlichen Gesundheit zu verstehen.
1. Der „Petrischalen“-Faktor
Die Studie wurde in vitro (in einer Laborumgebung mit Zellen in einer Schale) durchgeführt. Wie der Neurologe Dr. Clifford Segil betont, lassen sich Erkenntnisse aus einer Petrischale nicht immer auf lebende Organismen übertragen. Weitere Studien an Tieren oder Menschen sind erforderlich, um zu bestätigen, ob diese zellulären Reaktionen tatsächlich zu klinischen Schlaganfällen führen.
2. Bedenken hinsichtlich der Dosierung
Ernährungsexperten, darunter die registrierte Ernährungsberaterin Jessica Cording, stellten fest, dass die in der Studie verwendete 30-Gramm-Dosis am oberen Ende dessen liegt, was eine Person konsumieren könnte. Dies wirft die Frage auf, ob die Risiken bei mäßigem Konsum oder nur bei starkem und häufigem Konsum bestehen.
3. Der breitere Trend künstlicher Süßstoffe
Erythrit wird nicht isoliert untersucht. Eine größere Studie aus dem Jahr 2025, die in Neurology veröffentlicht wurde und an der über 12.000 Erwachsene teilnahmen, legte nahe, dass ein hoher Konsum verschiedener künstlicher Süßstoffe – darunter Aspartam, Saccharin und Xylitol – mit einem deutlich schnelleren Rückgang der kognitiven Fähigkeiten und Gedächtnisfähigkeiten verbunden ist.
Expertenempfehlungen
Zum jetzigen Zeitpunkt fordern Experten kein vollständiges Verbot von Erythrit, sondern raten zu einem achtsamen Konsum.
Da die genauen Mechanismen, wie Erythritol die Zellsignalisierung verändert, noch unklar sind, lautet der vorherrschende Rat von Kardiologen und Ernährungswissenschaftlern:
– Überwachen Sie die Etiketten: Achten Sie darauf, wie viel Erythrit in Ihrer „Diät“ oder Ihren „kohlenhydratarmen“ Snacks enthalten ist.
– Einnahme begrenzen: Vermeiden Sie eine übermäßige Abhängigkeit von Produkten, die große Mengen dieses Zuckeralkohols enthalten.
Schlussfolgerung: Während weitere Untersuchungen erforderlich sind, um festzustellen, ob Erythrit beim Menschen direkt Schlaganfälle verursacht, deuten aktuelle Laborbefunde darauf hin, dass hohe Dosen die Funktion der Blutgefäße negativ beeinflussen können. Mäßigung bleibt vorerst der sicherste Ansatz für diejenigen, die Zuckerersatzstoffe verwenden.
