Omega-3-Nahrungsergänzungsmittel: Warum sie möglicherweise nicht vor Darmkrebs schützen – und wie man erkennt, ob sie es tun

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Wichtige Erkenntnisse: Jüngste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Wirksamkeit von Omega-3-Fischölergänzungen bei der Vorbeugung von Darmkrebs von einem entscheidenden Enzym namens ALOX15 abhängt. Ohne dieses Enzym schützen Nahrungsergänzungsmittel möglicherweise nicht nur nicht vor Tumoren, sondern könnten möglicherweise auch deren Wachstum bei bestimmten Personen erhöhen.

Die widersprüchlichen Beweise zu Omega-3-Fettsäuren und Krebs

Seit Jahren ist der Zusammenhang zwischen Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA, enthalten in Fischöl) und dem Krebsrisiko unklar. Einige Studien deuteten auf schützende Vorteile hin, während andere keine Wirkung fanden oder sogar einen möglichen Zusammenhang mit der Zunahme von Krebsfällen vermuteten. Diese Inkonsistenz verwirrte die Forscher, doch eine neue Studie liefert einen entscheidenden Teil des Puzzles.

Die Rolle des ALOX15-Gens

Wissenschaftler der University of Michigan und des MD Anderson Cancer Center haben herausgefunden, dass das ALOX15-Gen bestimmt, ob EPA und DHA Darmkrebs wirksam unterdrücken können. Dieses Gen ist für die Umwandlung von Omega-3-Fettsäuren in Resolvine verantwortlich – Moleküle, die chronische Entzündungen bekämpfen, eine Hauptursache für die Krebsentstehung.

Entscheidend: ALOX15 ist bei verschiedenen Krebsarten oft inaktiv, was dazu führt, dass der Körper Omega-3-Fettsäuren nicht richtig verarbeiten kann, um entzündungshemmende Wirkungen zu erzielen.

Studienergebnisse bei Mäusen: Eine überraschende Wendung

Experimente an Mäusen, die tumorfördernden Chemikalien ausgesetzt waren, zeigten, dass Fischöl die Anzahl von Dickdarmtumoren bei denen, denen ALOX15 fehlte, erhöhte. Dies deutet darauf hin, dass Omega-3-Fettsäuren ohne das Enzym ihre beabsichtigte Wirkung nicht entfalten können und sogar das Tumorwachstum verschlechtern könnten.

EPA (Eicosapentaensäure) erwies sich als wirksamer als DHA (Docosahexaensäure). Ethylester und freie Fettsäureformen von EPA reduzierten das Tumorwachstum, wenn ALOX15 vorhanden war. Lovaza, ein verschreibungspflichtiges Medikament, das EPA-Ethylester enthält, zeigte ähnliche Ergebnisse. Im Gegensatz dazu verhinderten DHA-Varianten das Tumorwachstum bei Mäusen ohne ALOX15 nicht.

Implikationen für Patienten: Tests sind der Schlüssel

Diese Ergebnisse werfen wichtige Fragen für Strategien zur Krebsprävention auf. Personen mit Dickdarmpolypen oder genetischer Veranlagung für eine niedrige ALOX15-Aktivität erfahren möglicherweise nicht die gleichen Schutzwirkungen von Omega-3-Nahrungsergänzungsmitteln.

Laut Imad Shureiqi, Professor an der University of Michigan: „Es ist auch wichtig zu fragen, ob die Person, die das Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, über die erforderlichen Enzyme verfügt, um diese Produkte zu verstoffwechseln, um chronischen Entzündungen und damit der Entstehung von Krebs vorzubeugen.“

Zukünftige Richtungen: Steigerung der ALOX15-Aktivität

Forscher arbeiten derzeit an Medikamenten, die ALOX15 in Krebszellen aktivieren sollen. Ziel ist es, die Fähigkeit des Körpers zur Verarbeitung von EPA und DHA zu verbessern und so möglicherweise die Bemühungen zur Vorbeugung von Darmkrebs zu verstärken.

Fazit: Omega-3-Nahrungsergänzungsmittel sind keine universelle Lösung zur Krebsprävention. Ihre Wirksamkeit hängt stark von individuellen genetischen Faktoren ab, insbesondere vom Vorhandensein des aktiven ALOX15. Bevor Sie mit der Nahrungsergänzung beginnen, ist es wichtig, einen Arzt zu konsultieren, um festzustellen, ob diese für Ihr Gesundheitsprofil geeignet ist.